14.06.2013
15:13 Uhr

Von "elternverseuchten" Netzwerken und anderen Trends im Web 2.0

von Peter Soltau | Blog, Trendmonitor
Von "elternverseuchten" Netzwerken und anderen Trends im Web 2.0

Auf der Social Media Fachtagung der depak am 13. und 14. Juni 2013 gab es viel Bekanntes und wenig Neues. Das ist im Bereich Social Media aber auch nicht verwunderlich, denn die Kommunikation und vor allem die praktische Erfahrung in diesem Bereich ist auch weiterhin erst im Entstehen. Was bei uns hängen blieb fassen wir im folgenden Blogpost zusammen.

Die erste interessante Vokabel der Social Media Fachtagung wurde gleich zu Beginn von Moderator Hajo Schumacher aufgebracht: Media Richness. Für studierte Kommunikationswissenschaftler keine Unbekannte, erlebt die in den 1980er Jahren entstandene Theorie aktuell im Bereich Social Media einen zweiten Frühling. Kurz gesagt geht es darum, dass komplexe Kommunikation geeignete Kanäle benötigt, um zu funktionieren. Ein Kanal ist umso reichhaltiger ("richer"), je mehr Kommunikationsdetails durch ihn übertragen werden können. So ist ein Brief zwar eher wenig reichhaltig, weil keine Mimik und Gestik transportiert wird, aber dennoch reichhaltiger als eine E-Mail, weil z.B. auch die Handschrift eine eigene Kommunikationsaussage hat. Für Social Media bedeutet das: Unternehmen müssen wissen, dass Kommunikation in den Sozialen Netzwerken immer riskant ist, da Aussagen durch die eingeschränkte Reichhaltigkeit eines text- und bildbasierten Mediums missverständlich sein können. Aber was auf dieser Welt ist schon risikofrei? :) Durch Erfahrung und vor allem auch eine gute Portion Menschenkenntnis kann dieser Herausforderung sehr nachhaltig begegnet werden. Als Agentur helfen wir Ihnen gern dabei.

Eine zweite sehr interessante Vokabel: "elternverseucht". Trifft auf Facebook zu und erklärt, warum Jugendliche ihre Aktivitäten im führenden Netzwerk zusehends zurückfahren. Der Trend geht zum Zweitaccount, mit dem Eltern und Verwandten die braven Seiten des Lebens präsentiert werden. Die eigentliche Kommunikation mit der Peergroup findet zunehmend in unterschiedlichen Netzwerken statt, in denen jeweils eigene Konventionen gelten, die jedem bekannt sind und so für Sicherheit sorgen (ohne Angst haben zu müssen, dass die Eltern mitlesen). Auch das ist für Unternehmen eine nicht uninteressante Information, wenn es darum geht, geeignete Kanäle für die eigene Social-Media-Strategie zu identifizieren.

Der zweite Tag begann mit der Frage, ob Social Media auch im B2B-Business Sinn ergeben kann? Und die Antwort muss - auch aus unserer Sicht - ganz deutlich "Ja!" heißen. Denn letztendlich vermittelt der Begriff "B2B" häufig eine falsche Sicht: Auch hier kommunizieren nämlich Menschen miteinander, und nicht etwa Firmen. Die Entscheider im B2B-Business sind Menschen, denen der Geschäftspartner ebenfalls möglichst sympathisch sein darf. Und die kommende Generation an Entscheidern wächst mit dieser Form der Kommunikation auf. In Übersee zeigen alle Erfahrungen, dass der Wandel dort bereits in vollem Gange ist und Geschäftsanbahnungen via Facebook keine Seltenheit mehr sind. Die Frage muss also nicht sein: Was bringt mir Social Media im B2B? Sondern: Was muss ich tun, damit mir Social Media im B2B etwas bringt und wie stelle ich mich heute auf, um den Anforderungen von morgen begegnen zu können?

Social Media lässt sich nicht von heute auf morgen "implementieren", wie es vielleicht mit einer neuen Telefonanlage funktionieren mag. Social Media ist eine Wandlung in der Kommunikation, eine Wandlung auch in der Unternehmenskultur. Dafür braucht es Zeit, um Mitarbeiter mitzunehmen und um auch notwendige Erfahrungen zu sammeln.

Die Social Media Fachtagung der depak hat viel Bekanntes aufgegriffen und auch neue Impulse setzen können. Für Verantwortliche in Unternehmen lohnt sich ein Ausflug zu Veranstaltungen dieser Art immer, wenn man seine eigenen Ansichten überdenken und mit Kollegen reflektieren möchte.


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