20.08.2013
10:55 Uhr

Meme – eine neue Popkultur des Internets

von Aline Koeppen & Peter Soltau | Blog, Trendmonitor
Meme – eine neue Popkultur des Internets

Wir sind wohl alle schon einmal Memen im Netz begegnet, sei es auf Facebook, Twitter oder YouTube. Meme sind Populärkultur im Internet, die sich in der Netzgemeinschaft seit mehreren Jahren etabliert und spätestens seit #neuland auch in der Politik bekannt sein dürften.

Dennoch fällt es schwer dieses Phänomen in eine Form zu gießen und mit Worten zu beschreiben, wie ein aktueller Beitrag des ZDF-Magazins Frontal 21 zeigt.
Meme sind Inhalte, Texte, Bilder oder Videos, die sich viral im Internet verbreiten. Dabei kann jeder Empfänger den Inhalt verändern und als Sender zurück ins Netz spielen. Besonders nachhaltig werden Meme, wenn der gepostete Inhalt von der Masse der Netzgemeinschaft aufgenommen und weiterverbreitet wird, wie es beispielsweise beim Gangnam Style, Harlem Shake oder der Grumpy Cat zu beobachten war.

Oft funktioniert ein Mem wie eine Schablone, die immer wieder verändert wird. Dabei spielt die Form keine Rolle. Meme finden sich in Textform bei Twitter (#neuland), als Bild bei Facebook (Success Kid) oder als Video bei You Tube (Harlem Shake). Meist sind es humoristische Inhalte, nicht selten mit gesellschaftskritischem Bezug, die über die Sozialen Netzwerke gestreut werden. 

Eine kleine Genealogie


Schon in den 1970er Jahren entwickelte sich bei Amateurfunkern durch das Morsen ein Chattstil, der Abkürzungen hervorbrachte, die sich bis heute gehalten haben. Ein Beispiel dafür ist das „cu“ als Kurzform für „see you“(auf der re:publica 2013 gab es dazu einen interessanten Vortrag). In den 80er Jahren kam mit den ersten Diskussionsforen die Verbreitung der Ascii-Kunst auf. Ascii-Grafiken sind Bilder, die aus Zeichen kleine Piktogramme abbilden, die verbreitet, verändert und an andere User gesendet wurden. Mit dem World Wide Web in den 1990ern begannen User, Bilder durch den Äther zu schicken (beliebt war zu Anfang z.B. Mr. T). Mit Beginn des neuen Jahrtausends setzten sich die Sozialen Netzwerke immer stärker durch - sie trugen zur beschleunigten Verbreitung von Memen wesentlich bei. Dabei hat jedes Netzwerk seine eigenen Mechanismen, um Meme schnell und unkompliziert zu verbreiten: Bei Twitter kann es ein Hashtag sein und bei Facebook, ein ohnehin eher auf Entertainment ausgelegtes Netzwerk, können Inhalte sehr leicht mit Freunden geteilt werden.

Ein beeindruckendes Beispiel ist der oben genannte Harlem Shake. Das Musikvideo in all seine Variationen hat sich auf YouTube wie ein Lauffeuer verbreitet. Allein als Suchbegriff zeigt You Tube 3.820.000 Ergebnisse an, das Ausgangsvideo wurde bisher fast 50 Millionen mal angesehen. Das ist erstaunlich und verdeutlicht, wie sich Meme schnell, in unzähligen Varianten und vor allem nicht linear verbreiten können.

Unser kurzes Fazit

Meme sind Inhalte, die z. B. aus aktuellem Anlass entstehen und vielfach tagesaktuellen Bezug haben. Meme können aber auch Inhalte sein, die sich aus nicht vorhersehbaren Gründen verselbstständigen und häufig allein der Belustigung dienen. Jeder kann sich auf witzige und kreative Weise zu einem Inhalt äußern. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Aussage von Ronald Pofalla, der die NSA-Affäre für beendet erklärte und so der Netzgemeinschaft eine klassische Mem-Vorlage bot: In einem Tumblr-Blog beendete er u.a. die Bauarbeiten am BER sowie den gesamten Wahlkampf.

Meme können auch eine Bedeutung für die professionelle Kommunikation haben. Sie sind zwar kaum bis gar nicht zu steuern und somit nicht als herbeizuführendes Element in einer Kommunikationskampagne einsetzbar. Allerdings sollten für eine Kommunikationsstrategie aktuelle wie allgemein relevante Meme bekannt sein, um auf diese z.B. aufzuspringen oder diesen auch bewusst aus dem Weg zu gehen.


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